
Biodiversität? Die Schweiz weist im Vergleich zu den Nachbarländern den geringsten Anteil an international anerkannten Naturschutzgebieten aus.

Die Berner Konvention (1979) verpflichtet europäische Staaten zum Erhalt wildlebender Pflanzen, Tiere und ihrer Lebensräume. Die EU setzt dies über die Vogelschutz- und FFH-Richtlinie (siehe Hinweise) im Netzwerk Natura 2000 um; für Nicht-EU-Staaten wie die Schweiz wurde das nach denselben ökologischen Kriterien funktionierende Emerald Network geschaffen.
Basis ist die Definition der International Union for Conservation of Nature (IUCN): Ein Schutzgebiet ist ein klar abgegrenzter, rechtlich oder anderweitig wirksam verwalteter Raum zum langfristigen Erhalt der Natur – inklusive Ökosystemleistungen und kultureller Werte. Die EEA weist darauf hin, dass die reine Ausweisung keinen Biodiversitätserhalt garantiert. Entscheidend ist das Gebietsmanagement, zu dessen tatsächlicher Wirksamkeit bislang umfassende Daten fehlen. Grosse, naturnahe Alpen-, Jura- oder Waldflächen der Schweiz bieten daher zwar vielen Arten Lebensraum, fallen aber aus dieser Statistik heraus, da ihnen ein offizieller, rechtlich bindender Schutzstatus nach internationalen Kriterien fehlt.
Die Europäische Umweltagentur (EEA) harmonisiert diese Geodaten und bereinigt sie um Überlappungen. Sie erfasst Natura-2000-, Emerald- und national ausgewiesene Gebiete (Nationally Designated Areas, NDA), sofern letztere internationale Kriterien erfüllen und in der World Database on Protected Areas (WDPA) registriert sind.
Laut EEA-Daten sind in der Schweiz rund 10,4 % der Landesfläche geschützt (1,6 % Emerald, 8,8 % NDA), weniger als in den Nachbarländern. Deutschland weist 39,1 % auf, Österreich 29,3 %, Frankreich 28,3 % und Italien 21,4 %. Im gesamteuropäischen Vergleich weisen Bosnien und Herzegowina (9,4 %) sowie die Türkei (7,0 %) noch tiefere Anteile als die Schweiz auf.